CARBON
- Nov 22, 2025
- 3 min read
Die Rettung, die Zukunft, der digitale Gral?
Alles zu Carbon – dem neuen Streamingdienst mit Schwerpunkt auf elektronischer Musik.
Vorab: News zu Carbon findet man spärlich, und ich entdecke die Software gerade selbst. Falls also nicht alles stimmt, was ich erzähle: nid jammere, du Gränni!

Streaming History
Streaming, lange Zeit als die Rettung der Musikindustrie vor illegalen mp3-Downloads angesehen, ist längst zum Symbol von Ausbeutung und der Zerstörung dessen geworden, was von der Musikseele noch übrig war.
Noch nie wurde man als Künstler:in so über den Tisch gezogen, besonders von Spotify (hier mehr dazu). Noch nie war Musik so austauschbar und oberflächlich. Geschäftsgetriebene Algorithmen, Fake-Artists, gekaufter „Erfolg“, formatisierte Produktionen, dubiose, um nicht zu sagen illegale Praktiken – und seit 1–2 Jahren KI dies und KI das.
Wie um alles in der Welt soll dann ausgerechnet ein weiterer Streamingdienst dazu beitragen, den musikalischen Karren aus dem Mist zu ziehen und unser aller Seelen retten?
Carbon was?
Carbon ist ein auf elektronische Musik spezialisierter Streamingdienst. Die Versprechungen sind gross: Es soll ein digitales Paradies für „Digger:innen“ werden und gleichzeitig ein faires Entlohnungsmodell für Künstler:innen anbieten – fair, transparent und für Kreative wie Fans gebaut.
Ein Dienst, der versucht, den Spagat zu schaffen zwischen sinnvollen Algorithmen, kuratierten Inhalten, Trinkgeld-System, Merchandise, exklusiven Tracks, Promos sowie Künstler- und Labelprofilen – also zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Ein Dienst, der auf (musikalische) Wertschätzung setzt und Künstler:innen wie Szene-Labels echte Kontrolle überlässt.
Testdrive
Momentan ist die Carbon-App nur für iOS erhältlich, Android soll aber folgen. Die Installation ist einfach: App Store öffnen und das Ding runterladen. Anmelden muss man vorerst gar nichts, die Gratis-Version läuft sofort.
Nach der Installation fällt einem beim Entdecken der App natürlich der ‘Dating-Modus’ auf. Tinder mässig – oder Smash or Pass mässig, um im YES-Culture-Jargon zu bleiben. Carbon nennt diesen Modus ‘Discover’, der sich auf den persönlichen Geschmack anpassen lässt.
Du suchst in spezifischen Genres rare Perlen? Du möchtest ein Label oder eine:n bestimmte:n Künstler:in erforschen? Carbon unterstützt dich dabei in typischer Swipe-Manier.
Downloads sind ebenfalls ein Feature, damit DJs ihre USB-Sticks füllen können und Fans ihre eigene, persönliche Herzensbibliothek gestalten können.
Ein weiteres erwähnenswertes Feature ist „Premieres“. Also quasi Promos, zeitlich limitiert oder gar unlimitiert, die dich ein Preview hören lassen – und für einen kleinen, soweit ich sehe selbstbestimmten Beitrag, kannst du den Track dann dein Eigen nennen.
Also eine Art Promo-System: Du, Fan oder DJ, bekommst vorab einen Track, und der*die Künstler:in erhält eine hoffentlich faire Entlohnung von dir.
Preismodelle
Carbon bietet drei Grundmodelle an (gilt für die Schweiz): eine Gratis-Variante, ein Abo für 3 CHF pro Monat und eine erweiterte Stufe für 18 CHF pro Monat.
Innerhalb dieser Modelle können zusätzlich einzelne Features wie Downloads, exklusive Tracks, Early-Access-Releases oder direkte Unterstützung für Künstler:innen kostenpflichtig dazugekauft werden.
Yes?
Ich für meinen Teil habe Spass, die App zu benutzen, und es kommt wirklich „Digging in a crate“-Feeling hoch.
Unsere YES-Culture-Releases sind grösstenteils auch schon auf der Plattform zu hören – nur so zum säge, gäu. Disclaimer und so.
Ob sich Carbon durchsetzt, hängt zum grossen Teil von Carbon selbst ab.
Gesundes Wachstum, ehrliche Algorithmen (geht das überhaupt?) und last but not least keine "Pay-to-Win"-Funktionen – das tun Beatport und Co. schon zur Genüge.
Den Rest müssen dann aber die Fans beitragen.
Fehlende Wertschätzung kann kein System der Welt ersetzen.
Links zu Carbon:
Carbon Website mit App-Link
Autor: Alex Pardini
DJ? Produzent:in? Autor:in? Fotograf:in? Melde dich mit deinem kreativen Input bei uns.




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